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Kath. Pfarrkirche ´St. Stephanus Auffindung´ - ältestes Flamersheimer Gebäude - Teile von 1058

Dorfgeschichte


Flamersheimer Dorfgeschichte

870
Vertrag von Meersen

Der Ort Flamersheim (nicht in der heutigen Ortslage - eher im heutiges Kirchheim) wird erstmals in der Geschichte in schriftlicher Form erwähnt:
Regino von Prüm beschreibt in seiner Chronik den Unfall Ludwigs des Deutschen in der ´regia villa, nomine Flameresheim´.

Regino von Prüm: Abt und bedeutendster Leiter des Benediktiner-Klosters in Prüm (Karolinger-Kloster). Er veranlasst nach den beiden Normannen-Überfällen auf das Kloster in den Jahren 882 und 892 im Jahr 893 die Erstellung eines genaues Güterverzeichnises des Klosters, das ´Prümer Urbar´.
Die Abtei Prüm geht auf eine Gründung von König Pippin III. dem Jüngeren (erster karolingischer Frankenkönig) im Jahr 752 zurück, war stets eng verbunden mit der Familie der Karolinger und genoss deren besondere Gunst. Die Besitzungen der Abtei waren riesig. Ungezählte Orte in der Eifel, an der Ahr, im Gebiet von Münstereifel, auf dem Taunus, im Hinterland von St. Goar, in Frankreich, Holland und anderswo sind im ´Prümer Urbar´ erstmals urkundlich erwähnt. Um den weiträumigen Besitz zu verwalten, gehörten 6 Filialklöster zur Abtei Prüm: Revin in Frankreich, Güsten in Holland, Münstereifel (Bad Münstereifel), Kesseling an der Ahr und Altrip.

Ludwig der Deutsche (+ 28.06.876): Sohn Ludwigs des Frommen und Enkel Karls des Großen.

Nach dem Tod von Kaiser Ludwig I., dem Frommen (+ 20.06.840 in Ingelheim/Rhein) wird 843 das Frankenreich im Vertrag von Verdun endgültig dreigeteilt: Lothar I., der sich mit seiner Idee der Reichseinheit nicht durchsetzen konnte, jedoch bereits Mitkaiser unter seinem Vater Ludwig I. war, behält die Kaiserwürde und bekommt neben Italien das alte karolingische Hausgut um Rhein, Maas und Rohne (Lotharingien - in der Mitte der nördlichen Hälfte, in Unterlothringen liegt Flamersheim), Ludwig der Deutsche erhält die ostfränkischen Reichslande und Karl der Kahle die westfränkischen Kernlande.
Kaiser Lothar I. teilt 855 sein Mittelfränkischen Reich in Schüller, nahe Prüm, legt die Krone ab und tritt als Mönch in die Abtei Prüm ein. Bald darauf stirbt er und findet sein Grab vor dem Hochaltar der Klosterkirche.
Nach Lothar I. erhalten dessen Söhne Ludwig II. Italien (bis 875), Lothar II. Lothringen (bis 869) und Karl Burgund und Provence (bis 863).
Als Lothar II. 869 stirbt, versucht dessen Onkel Karl der Kahle sein Westfränkisches Reich um das Gebiet Lotharingiens zu erweitern.
Dem will Ludwig der Deutsche zuvorkommen und macht sich auf den Weg. Am 09.08.870 einigen sich die beiden Brüder im Vertrag von Meersen auf eine Teilung Lotharingiens. Der östliche Teil (damit auch Flamersheim) fällt an Ludwig den Deutschen und damit an das Ostfränkische Reich.
Die beiden Reiche entwickeln sich fortan zusehends sowohl politisch als auch kulturell auseinander.

Hätte sich Ludwig der Deutsche nicht trotz seines Rippenbruches, den er sich bei seiner Rast auf dem fränkischen Hofgut Flameresheim (Flamersheim) zugezogen hatte, unverzüglich auf den Weg nach Meersen (Vertrag von Meersen) gemacht, hätte Karl der Kahle das gesamte Lotharingien und damit auch Flamersheim an sich gerissen und seinem Westfrankenreich (später Frankreich) angegliedert.
 

881 und 892

Die Normannen fallen ein und zerstören das fränkische Hofgut.
 

950 - 1057

Flamersheim ist Hauptort des Bezirkes.
Die Pfalzgrafen (Ezzonen) hatten ihren Sitz auf die Tomburg verlagert.
Ezzonen: Pfalzgrafen von Niederlothringen.
Ezzo (Koseform von Ehrenfried), Sohn des Ehrenfried, verheiratet mit Mathilde, einer Schwester von Kaiser Otto III. - Das Haus der Ehrenfriede beherrschte riesige Ländereien zwischen der West- und der Ostgrenze des Reiches. Ezzo war nach dem Kaiser der mächtigste Mann im Reich. Er bzw. seine Söhne standen aufgrund ihrer Abstammung (versippt mit den Karolingern, direkte Nachkommen der Ottonen und des byzantinischen Kaiserhauses) dem Thron am nächsten. - Trotzdem standen sie nie ernsthaft als König/Kaiser zur Wahl.
Ezzo hatte 3 Söhne (+ 1 außerehelicher) und 7 Töchter.
 

1052

Erzbischof Hermann II. von Köln, ein Sohn des Pfalzgrafen Ezzo (es heißt, Herrmann sei in Flamersheim geboren) , schenkt das ´Castrum Tomburg´ mit Zubehör (also auch Flamersheim) an die Kölnische Kirche´ (gem. Bestätigungsurkunde von Papst Leo IX)
Papst Leo IX. (Bürgerlicher Name: Bruno Graf von Egisheim und Dagsburg), Deutscher Reformpapst, Vetter Kaiser Heinrichs III. (Salier - Worms/Speyer) wird 1048 vom Kaiser zum Papst designiert. Während seiner Amtszeit widmete er sich vor allem der Kirchenreform und bekämpfte Simonie (Ämterhandel), Laieninvestitur und Priesterehe. Unter seinem Pontifikat bildet sich das Kardinalskollegium heraus.
 

1058

Errichtung der Katholischen Kirche in Flamersheim.
 

1059

Erzbischof Anno II. schenkt das Gut Flamersheim dem Stift St. Maria ad gradus in Köln. (´St. Maria ad gradus´ stand bis ins 19. Jahrhundert östlich vor dem Chor des Kölner Doms und wurde dann abgerissen.)
Jeweils einer der Kanoniker (Stiftsherren) übernimmt die Verwaltung und Seelsorge in Flamersheim und nennt sich ´Graf von Tomburg´
 

1060

Flamersheim wird Pfarrei.
Zuvor gehörte Flamersheim zum Pfarrverband ´Hockbur´. Der Zehnte war jeweils an den Pfarrer von Kirchheim abzuführen. Durch eine Zuweisung von 54 Morgen Land verzichtete dieser auf den Zehnten.
 

1323

Flamersheim erscheint wieder als Tomburger Besitz.
 

1358

Die Burg Flamersheim wird erstmals erwähnt (mit Vorburg und Befestigungen).
Besitzer ist Emelrich von Ringsheim.
 

um 1400

Der Glockenturm wird in das Mittelschiff der Kirche gebaut.
Es soll eine Glocke aus dem Jahr 1397 gegeben haben.
 

1458 -ca. 1520

Als Jülicher Lehen fällt Flamersheim an Crümmel van Eynatten.
 

ca. 1520 - 1545

Herr von Palandt ist Eigentümer von Flamersheim.
 

1545

Sophie von Palandt, Erbin von Flamersheim, heiratet Lutter Quadt, Herr zu Landskron, Tomberg, Miel und Oberwinter.
 

1560

Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Flamersheim durch Bernhard von Quadt.
 

1564

Freiherr von Quadt wird Herr zu Flamersheim.
 

1569

Die ersten Juden in Flamersheim können nachgewiesen werden (Jakob Wallich und Wolf Judt).
 

1689

Die Familie Quadt flieht vor den Franzosen. - Sie kehrt 1697 nach Flamersheim zurück.
 

1759-1775

Bau der Evangelischen Kirche als Saalbau mit Spiegeldecke.
 

1774

Freiherr von Dalwigk, der Schwiegersohn des von Quadt übernimmt Flamersheim.
 

Ende d. 18. Jhd.

Kurz vor der Franzosenzeit (1794-1814) ist Freiherr E.J. Jobst von Vincke, Schwiegersohn von Dalwigks Herr über Flamersheim.
 

1794

Die französischen Revolutionsheere erobern unsere Heimat.
Damit werden im Zuge der Rechtsreform die grundherrlichen Gerichte aufgelöst. Das Cantongericht Rheinbach übernimmt die bisherigen Dingstühle. Das Dinghaus in Flamersheim wird an den Nachtwächter vermietet.
 

1816

Flamersheim wird Teil des Cantons Rheinbach.
 

1828

Der Urkataster wird erstellt.
 

1844

Die Tochter Vincke, Gräfin Schulenberg, verkauft die Flamersheimer Burg an Franz-Georg Weckbecker aus Münstermaifeld.
 

1861

Die Witwe Julius August von Bemberg aus Elberfeld erwirbt die Burg Flamersheim.
 

1879

Errichtung des vorgelagerten Glockenturmes der Evangelischen Kirche (gestiftet von Julius von Bemberg).
Einweihung der Flamersheimer Synagoge.
 

1887-1888

Erweiterung der Katholischen Kirche: der neugotische Chor wird abgerissen und ein Querschiff mit Chor im neuromanischen Stil werden angebaut.
 

1932

Flamersheim gehört jetzt zum Kreis Euskirchen.
 

1945

Am 6. März erobern amerikanische Kampftruppen Flamersheim.
 

01.07.1969

Die Gemeinde Flamersheim verliert durch die kommunale Neugliederung ihre Selbstständigkeit und wird Ortsteil der Kreisstadt Euskirchen.
 




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